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Der Wiederaufbau

Der Wiederaufbau in einer zerstörten Stadt

NachkriegsunterwäscheDer beginnende Wiederaufbau des zerstörten Chemnitz ist auch die Zeit der Improvisation.

Die findige Weigel-Mannschaft produzierte neben Haarklemmen und Gartenharken übergangsweise Bandstahlbügel für BH-Körbchen sowie Zugfedern, die dann umnäht als Strumpfbandersatz Verwendung fanden und somit der Nachkriegs-Damenunterwäsche zu korrektem Sitz verhalfen. Die einzige Betriebsstillegung ist in der Firmengeschichte im bitterkalten Winter des zweiten Nachkriegsjahres vom 24.02.-08.03.1947 verzeichnet, denn es gab keinen Strom und nichts mehr zum Heizen.

 

Danach beginnt erneut eine Zeit des Wachstums der Alfred Weigel KG, an der sich ab 1959 auch der Staat als Kommanditist beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt wurden in 8 Fertigungsbereichen schon wieder über 1,5 Mio. DM Umsatz mit Präzisionsfedern durch ca. 200 Mitarbeiter erzielt.

 

1972 dann die vollständige Verstaatlichung des Unternehmens nach einem über Nacht andauernden Besuch “staatlicher Organe” beim damaligen Betriebsinhaber Kurt Weigel. Sein Sohn Siegfried Weigel wird als “geeignet” befunden, den nun in VEB Feinfedern Karl-Marx-Stadt umbenannten Betrieb als Direktor zu führen. 1975 erfolgt die Angliederung an das VEB Federnwerk Marienberg im Kombinat Wälzlager und Normteile Karl-Marx-Stadt.

 

Bürokratismus und die ständigen Materialengpässe setzen dem Betrieb hart zu. Notwendige Investitionen werden von der zentralen Kombinatsleitung nicht bewilligt. So steht dem Betrieb z.B. als einziges eigenes Transportmittel nur noch ein Lieferwagen Typ Barkas zur Verfügung, dessen Monatskontingent von 25 Litern Benzin in 4 wöchentlichen Raten zu tanken war. So wird der außerplanmäßige Transport einer 200 kg schweren Rolle Eisendraht von Chemnitz Nord nach Chemnitz Süd zum schier unlösbaren Problem.

 

Siegfried Weigel berichtete gern, dass er den damaligen ökonomischen Direktor des Kombinates Wälzlager und Normteile auch im Winter bei offenen Fenster empfing und sein nichtrauchendes Gegenüber während der zum Teil mehrstündigen Beratungen mit dem Zigarrenrauch seiner Lieblingsmarke traktierte.

 

Dieser wiederum rächte sich mit angeordneten Tiefenprüfungen der Finanzorgane, die jedoch trotz wochenlanger Suche keine Mängel in der Buch- und Betriebsführung zu Tage brachten.