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Unternehmensgeshichte der Federnfabrik Alfred Weigel in Chemnitz

Unternehmensgeschichte der Alfred Weigel KG Federnfabrik

Firmengründung am 01.07.1909

1909 kehrte der junge Schlosser und Werkmeister Alfred Weigel der Fa. Kupfer in Chemnitz den Rücken, mit dem Ziel die Fabrikation von technischen Federn in eigene Hände zu nehmen.

Das missfiel seinem bisherigen Arbeitgeber und Federnfabrikanten Kupfer, und so verbot er seinen Zulieferern auch nur einen Meter Draht oder Bandstahl an den Jungunternehmer Alfred Weigel zu liefern.

Doch dieser umging das über ihn verhängte “Wirtschaftsembargo”, indem er über einen befreundeten Hausmeister sein Rohmaterial bestellte.

Aus der Konkursmasse des damaligen Chemnitzer Federnfabrikanten Riedel, fischte der Existenzgründer Alfred Weigel nicht die Rohstoffe und Maschinen, sondern die Kundenkartei und beschäftigte 4 Jahre später schon 40 Mitarbeiter.

Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg

Nach seiner Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg erwarb der Firmengründer bis 1925 ein Grundstück in der Lutherstrasse 26 sowie das Grundstück Annaberger Str. 138 im Stadtteil Altchemnitz, in der das traditionsreiche Familienunternehmen noch heute seinen Sitz hat.

Das Grundstück in Altchemnitz gehörte der Käse-Zentrale-Chemnitz, die die Inhaber Dietziker und Geiger jedoch nicht durch die Weltwirtschaftskrise und Inflation retten konnten.

Mehr Geschick bewies das seit 1928 in Alfred Weigel KG umfirmierte Unternehmen, welches es schaffte, durch einen Großauftrag der deutschen Bosch AG auch in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu bestehen.

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland, der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten einsetzte, verschaffte mit seinem Wiederaufrüstungsprogramm auch den Chemnitzer Unternehmen prall gefüllte Auftragsbücher.

1941 gab es in Chemnitz 14 Federnfabriken. In allen Stadtteilen entstanden neue moderne Fertigungsstätten, so wurden auch im Auftrag der Alfred Weigel KG Neu- und Erweiterungsbauten in Auftrag gegeben.

Die Firma nach Ausbruch des 2. Weltkrieges

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges stieg der Bedarf an technischen Federn sprunghaft an. Der Betrieb wurde als kriegswichtig eingestuft und stand unter Kontrolle der NSDAP und Gestapo. Erste zum Fronteinsatz eingezogene Mitarbeiter der Firma verloren ihr Leben auf den Kriegsschauplätzen Europas.

Der Firmeninhaber Kurt Weigel wurde mehrfach in das Gestapo-Quartier auf dem Kaßberg einbestellt, da ihn Denunzianten wegen der noch in seiner Firma arbeitenden Juden und seinem loyalen Verhältnis zu den Zwangsarbeitern anzeigten. Dieser Zivilcourage, die er im übrigen auch seinen Nachkommen vererbt hat, war es zu verdanken, dass er nicht wenige seiner Arbeiter und Angestellten vor dem Schlimmsten bewahrte.

Kurz vor Kriegsende hatte die Alfred Weigel KG mit ca. 500 Mitarbeitern den höchsten Personalbestand ihrer Geschichte erreicht. In der Unternehmensführung, aber auch in der Fertigung, war zum Teil schon die zweite Generation tätig. Noch heute existieren akribische Aufzeichnungen über Ehrungen zu Betriebsjubiläen, Vorsorge-Fonds für die Beschäftigten, Berufungen der Vorarbeiter und Obermeister.

Bei den schweren Luftangriffen der Alliierten im Februar/März 1945 wurden große Teile der Stadt Chemnitz in Schutt und Asche gelegt.

Dabei wurde auch die Betriebsstätte der Alfred Weigel KG in der Lutherstraße vollständig zerstört und Gebäude auf der Annaberger Straße stark beschädigt. Wieder verloren Mitarbeiter der Firma und Angehörige der Unternehmerfamilie dabei ihr Leben.

Der Wiederaufbau

Der beginnende Wiederaufbau des zerstörten Chemnitz ist auch die Zeit der Improvisation.

Die findige Weigel-Mannschaft produzierte neben Haarklemmen und Gartenharken übergangsweise Bandstahlbügel für BH-Körbchen sowie Zugfedern, die dann umnäht als Strumpfbandersatz Verwendung fanden und somit der Nachkriegs-Damenunterwäsche zu korrektem Sitz verhalfen. Die einzige Betriebsstillegung ist in der Firmengeschichte im bitterkalten Winter des zweiten Nachkriegsjahres vom 24.02.-08.03.1947 verzeichnet, denn es gab keinen Strom und nichts mehr zum Heizen.

Danach beginnt erneut eine Zeit des Wachstums der Alfred Weigel KG, an der sich ab 1959 auch der Staat als Kommanditist beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt wurden in 8 Fertigungsbereichen schon wieder über 1,5 Mio. Mark Umsatz mit Präzisionsfedern durch ca. 200 Mitarbeiter erzielt.

1972 dann die vollständige Verstaatlichung des Unternehmens nach einem über Nacht andauernden Besuch “staatlicher Organe” beim damaligen Betriebsinhaber Kurt Weigel.
Sein Sohn Siegfried Weigel wird als “geeignet” befunden, den nun in VEB Feinfedern Karl-Marx-Stadt umbenannten Betrieb, als Direktor zu führen. 1975 erfolgt die Angliederung an das VEB Federnwerk Marienberg im Kombinat Wälzlager und Normteile Karl-Marx-Stadt.

Bürokratismus und die ständigen Materialengpässe setzen dem Betrieb hart zu. Notwendige Investitionen werden von der zentralen Kombinatsleitung nicht bewilligt. So steht dem Betrieb z.B. als einziges eigenes Transportmittel nur noch ein Lieferwagen Typ Barkas zur Verfügung, dessen Monatskontingent von 25 Litern Benzin in 4 wöchentlichen Raten zu tanken war. So wird der außerplanmäßige Transport einer 200 kg schweren Spule Eisendraht von Chemnitz Nord nach Chemnitz Süd zum schier unlösbaren Problem.

Siegfried Weigel berichtete gern, dass er den damaligen ökonomischen Direktor des Kombinates Wälzlager und Normteile auch im Winter bei offenem Fenster empfing und sein nichtrauchendes Gegenüber während der zum Teil mehrstündigen Beratungen mit dem Zigarrenrauch seiner Lieblingsmarke traktierte.

Dieser wiederum rächte sich mit angeordneten Tiefenprüfungen der Finanzorgane, die jedoch trotz wochenlanger Suche keine Mängel in der Buch- und Betriebsführung zu Tage brachten.

Die Wende und danach

1989 die Zeit der Wende, alte Strukturen brechen auch im damaligen Karl-Marx-Stadt über Nacht zusammen, Lieferanten und Kunden der Federnfabrik hören auf zu existieren.

Im Frühjahr 1990 reichte der Liberaldemokrat Siegfried Weigel, 5facher Aktivist der sozialistischen Arbeit und Enkel des Firmengründers beim Wirtschaftsrat des damaligen Karl-Marx-Stadt den Antrag zur Reprivatisierung des Unternehmens ein.

Der erste Anlauf scheiterte an einer überhöhten Kaufpreisforderung der Treuhandanstalt, die sich jedoch gezwungen sah, ihn faktisch als Angestellten zu beschäftigen, da der Betrieb ja weiter unter seiner Leitung stand.

So forderte der später einem Attentat zum Opfer gefallene Treuhandchef Rohwedder seinen Lebenslauf und wiederum war Siegfried Weigel “geeignet”, als Geschäftsführer den Betrieb zu leiten.

Mit Wirkung zum 1. Mai 1990 ging die Alfred Weigel KG Federnfabrik wieder in Familienbesitz über. Die von der Treuhandanstalt ausgesandten “Berater” malten die Zukunft des Unternehmens in düsteren Farben. Expansion und Verstärkung der Akquisition waren die Zauberwörter mit denen das Weigel-Schiff in die stürmische See der sozialen Marktwirtschaft starten sollte.

Doch die Chemnitzer Unternehmerfamilie blieb ihrer Firmenphilosophie bis heute in die 4. Generation treu.